Chronik des VSV

Chronik des Vital-Sportvereins Würzburg e.V. 1952 (VSV)
Verein für Gesundheits- und Behindertensport
(vormals Versehrtensportverein Würzburg e.V. 1952 – Verein für Behindertensport)

Schon in den Jahren des Weltkrieges 1914/18, dann aber auch während des Krieges 1939/45 wurde die heilungsfördernde Wirkung des Versehrtensportes erkannt und vorwiegend in einer Anzahl von Lazaretten im Rahmen der Nachbehandlung betrieben. Die Keimzellen des Versehrten-Sportes waren in Bayern in den Versorgungskrankenhäusern Bad Tölz unter der Leitung von Professor Dr. Max Lange und in Werneck mit Chefarzt Dr. Anton Lässig begründet.

Von diesen Krankenhäusern ausgehend entwickelten sich die Gründungen der Versehrten-Sportvereine, deren Dachorganisation früher die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport mit Sitz in Bonn war. Dann der neugegründete Deutsche Versehrtensportverband (DVS) und jetzt als Deutscher Behinderten-Sportverband mit Sitz in Düsseldorf die einzelnen Länder der Bundesrepublik im Behindertensport betreut.

Aus Liebe zum Sport fanden sich einige Idealisten und gründeten am 9. Dezember 1952 in der Gaststätte Stadt Mainz den Versehrten-Sportverein Würzburg.

Wenn erst 1952 an die Gründung des VSV gedacht wurde, so lag es daran, dass die Stadt Würzburg zu 82 % zerstört war und daher auch die erforderlichen Übungsstätten fehlten.

Der neugegründete Verein stellte sich die Aufgabe, sämtlichen Versehrten die Möglichkeit zu geben, durch Freude am Sport die Wiedergewinnung der Geschicklichkeit und Überwindung von Hemmungen zu erreichen.

Hier die 37 Gründungsmitglieder:
Aschenbrenner Otto
Braun Willi
Burkard Hans
Dimmig Heinz
Dittmer Josef
Endres Karl
Endres Max
Gahm Friedrich
Gaißmaier Hans
Geißler Ludwig
Geyer Helmut
Haas Adolf
Haas Willi
Dr. Heyn Hugo
Dr. Henselmans Paul
Keck Josef
Dr. Knaup Rudolf
Kohlenberger Karl
Kullmann Heinz
Dr. Lässig Anton
Dr. Marten Günter
Matzdorf Hermann
Möhres Fritz
Prozeller Bernhard
Rauh Georg
Rauscher Alfons
Rüger Anton
Rücker Rücker Ernst
Schad Georg
Schierholt Karl
Schmalholz Erich
Schöbel Karl
Simgen Kurt
Stein Otto
Dr. Vierheilig Hugo
Dr. Wiesmann Heinrich
Wölfel Georg

Bei der Gründung waren auch 5 Ärzte dabei:

Dr. Anton Lässig, Chefarzt vom damaligen Versehrtenkrankenhaus Werneck und sein Vertreter Dr. Günter Marten (selbst oberschenkelamputiert).

Aus Würzburg stellten sich folgende Ärzte zur Betreuung der Versehrtensportler zur Verfügung:

Dr. Hugo Hey
Dr. Paul Henselmans
Dr. Rudolf Knaup

In dankenswerter Weise der Stadt Würzburg konnten die Versehrten in der Schillerschule ihre erste Übungsstunde und im Hallenbad in der Sanderau die erste Schwimmstunde abhalten, die von Sportlehrer Karl Endres unter ärztlicher Aufsicht geleitet wurden. Obwohl hier Neuland betreten wurde, gab es keinerlei Schwierigkeiten. Hier sei vermerkt, dass es keine offizielle Anerkennung oder besondere Förderung gab. Erst durch Inkrafttreten der 5. Novelle zum Bundesversorgungsgesetz im Jahr1956 hat der Staat eine finanzielle Unterstützung zugesagt.

Durch unermüdliche Mund-zu-Mund-Propaganda, Berichte in der Tageszeitung und nicht zuletzt die Freude an der Gemeinschaft ließ unter dem Vorsitz Dr. Heyn´s den Verein immer größer werden. Hier sollte man festhalten, dass in den 50er Jahren alles noch am Aufbau unserer Stadt beschäftigt war. Es gab keine eigenen Häuser, keinen eigenen Garten noch ein Fahrzeug. So waren es immer wieder die orthopädischen Firmen, die ihre Fahrzeuge für die Gehbehinderten zur Verfügung stellten und obendrein ihre Hilfe zuteil werden ließen. Auch hier sei ein Dankeschön gesagt.

Die Anzahl der begeisterten Versehrten-Sportler wurde immer größer und es mussten verschiedene Gruppen gebildet werden. So entstand eine Blinden-Damen-Herren-Schwimm-Tischtennis- und eine Keglergruppe. Auch eine Jugendgruppe unter der Leitung von Dr. Schneider wurde ins Leben gerufen und wurde eine der schönsten Jugendgruppen in Bayern. Die erforderlichen Übungsleiterinnen und Leiter wurden vom Bayerischen Versehrtensportverband ausgebildet. Auch der Wintersport wurde aufgenommen und viele Sportlerinnen und Sportler nahmen an den zahlreichen Kursen im eigenen Heim des Bayerischen Behinderten-Sportverbandes in Unterjoch teil. Selbst Doppel-Beinamputierte erlernten das Skilaufen.

Der Versehrtensport umfasst alle Leibesübungen, die der Erhaltung und Steigerung der Leistungsfähigkeit dienen, die Eigeninitiative fördern und aus einem Hilfsbedürftigen einen selbständigen Behinderten machen. Teilnehmen können alle Behinderten, die wegen einer Funktionsbehinderung im Sport ständiger und spezieller sportpädagogischer Anleitung bedürfen.

Mit welchem Eifer und Energie die Versehrten ihren Sport betreiben, geht aus einer Festansprache anlässlich der Feierstunde der Stadt Würzburg zur Ehrung der erfolgreichen Sportler des Jahres 1958 am 15. Februar 1959, gehalten von Prof. Dr. med. h.c. Carl Diem, Rektor der Sporthochschule Köln, hervor:

„Man erkennt, welche Qualitäten an Energie, an Triebkräften im eigenen Wesen ruhen und sucht sich auf diesem Gebiet zu seiner Vollendung zu bringen. Mir ist das nie deutlicher geworden und ich muss hinzufügen, nie mit größeren Rührungen deutlich geworden, als beim Anblick des Versehrtensportes. Wer einmal gesehen hat (und ich kann es täglich sehen, denn zu unseren schönsten Aufgaben an der Sporthochschule gehört die Ausbildung von Versehrten, die in den Abendstunden, wenn sie von der Arbeit frei sind, zu uns kommen), wie diese Männer und Frauen ohne Hand, ohne Unterarm, ohne Arm, ohne Bein, ja die Ohnebeiner, die beide Beine verloren haben, wie sie an diesen Leibesübungen das zu erreichen suchen, was sie sind und sich darin die Frische des Selbstgefühls bewahren.

Wer einmal beobachtet hat, wie diejenigen, die sich nicht mehr beobachtet wissen, nämlich die Blinden, sich an Leibesübungen erfreuen, wie sie treu ihrem Lehrer vertrauen, seiner Stimme folgen, wie sie glücklich sind, wenn sie am Geräusch des Wassers hören, dass die Bande des Schwimmbeckens naht, oder wenn sie den ihnen zugeworfenen Ball am Aufschlag erkennen und ihn tatsächlich so sicher fangen, als ob sie ihn sehen würden; wer dieses Glücksgefühl mal von ihren Mienen abgelesen hat, der weiß, was es bedeutet: Werde was Du bist.“

Versehrtensportler waren unter den Geehrten und mit etwas Stolz empfingen sie durch den Oberbürgermeister Dr. Zimmerer ihre Auszeichnung.

In all den vergangen Jahren konnten unsere Versehrtensportler im In- und Ausland gute Erfolge erzielen. Auch bei den Olympischen Spielen der Versehrten 1976 in Kanada war Alois Beez vom VSV vertreten und errang mit seinem Speerwurf mit 50,58 m eine Goldmedaille sowie in Holland 1980 2 Gold- und 1 Silbermedaille. Die sportlichen Erfolge der Versehrten wurden immer wieder von der Stadt Würzburg durch die Verleihung von Bronze und Silber anerkannt. Eine große Anzahl von Versehrten-Sportabzeichen in Bronze, Silber und Gold wurden verliehen und zeigt die wiedergewonnene Leistungsstärke auf. Wenn auch der schönste Sieg keinen Beinbruch wert ist, ausgesprochen von Prof. Carl Diem, so ist doch der Wille zum Siegen vorhanden. Aufgrund hervorragender Leistung durften die Würzburger Versehrten-Sportler des öfteren die Bundesrepublik Deutschland im Ausland vertreten.

Dass der Verein auch ein Freizeitgelände (Sprich: Prothesenranch) an einem herrlichen gelegenen Baggersee unterhält, soll nicht unerwähnt bleiben. Die dort jährlich stattfindenden Sommerfeste erfreuen sich großer Beliebtheit. Viele Veranstaltungen auf Vereins, Bezirks, Landes- und Bundesebene wurden vom Verein ausgerichtet und längst ist der Name VSV Würzburg im Versehrtensport zu einem Begriff geworden. All diese Ereignisse konnten nur durch eigene Initiative, Hilfe der Stadt Würzburg, der Firmen, der Städt. Sparkasse und besonders durch den VdK und die vielen ungenannten Helfer erbracht werden. Die unermüdlichen Helfer, die nicht mehr unter uns weilen, wollen wir weiterhin in dankenswerter Weise in guter Erinnerung behalten.

Im Jahre 2009 hat sich der Versehrtensportverein Würzburg einen neuen Namen zugelegt und nennt sich nun Vital-Sportverein Würzburg e.V. 1952 – Verein für Gesundheits- und Behindertensport. Gesundheitssport in der Prävention und in der Rehabilitation sind weitere Ziele unseres Vereins geworden. Neue Kurse zur Vorbeugung von Krankheiten wurden ins Leben gerufen. Männer und Frauen, die z.B. nach einem Unfall in einer Reha-Einrichtung waren, können den Rehasport beim VSV weiter ausüben, damit sie wieder einen besseren Start in den Alltag bekommen.

Im Jahre 2010 bekam der Vital-Sportverein Würzburg die Auszeichnung „Vorstand des Jahres 2010“ durch die Main-Post verliehen. Die Vorstandschaft um Christoph Hoffmann wurde geehrt, da aus einem Verein, der ursprünglich nur für Kriegsversehrten gedacht war nun ein Verein für Alle, Behinderte und Nichtbehinderte, Alte und Junge, gemacht wurde. Im Gründungsjahr des VSV stand die sportliche Betätigung für die Kriegsversehrten im Vordergrund. Zu dieser Zeit wurden auch viele sportliche Höhepunkte erreicht.